Ev.-luth. Pfarrverband Ambergau-Neiletal: Bezirk 3
Kirchengemeinde Bornum am Harz • Jerze • Ortshausen im Ambergau
    mit den Kindertagesstätten Bornum und Mahlum

 Die Hände in den Schoß legen, ist keine Lösung!

Ein Wort geistert durch unsere Landeskirche in Braunschweig: STRUKTURREFORM. Manche können dieses Wort schon nicht mehr hören. Andere fragen, was das denn soll. Man könne doch alles so lassen. Wieder andere sind in Gremien, die diese Reform mit Leben füllen wollen und schließlich in Gesetze.
Von einem klugen Kirchenvorsteher lernte ich den Satz: Wir sollten heute die Probleme lösen, die wir morgen haben werden. Und genau das ist es, was wir heute tun müssen.
Mehrere Probleme sind erst einmal zu konstatieren: Wir leben in einem strukturschwachen Landstrich. Viele der jungen Leute wandern ab. Von meinen Teamer*innen sind nur zwei in Seesen geblieben. Der eine machte eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung und wurde übernommen. Die andere ist mittlerweile seine Ehefrau, die, hätte sie ihn nicht, auch gegangen wäre.


Wir taufen wenig und beerdigen viel. Die Mitgliederzahl unserer Landeskirche schrumpft Zusehens. Das ist auch in unserer Kirchengemeinde Bornum, Jerze, Ortshausen im Ambergau zu sehen. Hier gibt es bei der letzten Zählung noch 732 Christ*innen. Und es werden weiter weniger.
Zudem haben wir einen eklatanten Mangel an Pfarrer*innen. Es gibt so gut wie gar keinen Nachwuchs (wie in vielen anderen Berufszweigen auch) und die starken Jahrgänge werden in den nächsten Jahren pensioniert. In der derzeitigen Propstei Goslar wird zum 1. Januar 2030 nur noch ein (!) Pfarrer Dienst tun.
Darauf muss regiert und am besten agiert werden. So werden die Altpropsteien Bad Harzburg, Goslar und Gandersheim-Seesen zum 1. Januar 2027 zu einer Propstei „Harz“ zusammengelegt, die, wenn Propst Jens Hölfel demnächst pensioniert ist, von Pröpstin Bräuer-Ehgart geleitet werden wird.
Um den Beruf der Pfarrer*innen von Verwaltung zu „entschlacken“ und trotzdem kirchliches Leben flächig weiter zu ermöglichen, werden die bisherigen Kirchengemeinden zu 4 großen Kirchengemeinden (Gandersheim, Seesen, Goslar, Bad Harzburg) zusammengelegt (Stichtag: 1. Januar 2030). Diese werden jeweils von einem Kirchenvorstand geleitet werden. In den bisherigen Kirchengemeinden werden Kirchenteams wie bisher die Kirchenvorstände für das gemeindliche Leben verantwortlich sein. Allerdings müssen sie sich – wie die Pfarrer*innen – nicht mehr um Verwaltung, Haushalte und weiteres kümmern. Sie können sich ganz auf gemeindliche Aktivitäten wie Einschulungsgottesdienste, Seniorenkreise, Jugendarbeit, Gemeindefeste, Kindergottesdienste und anderes kümmern.
Pfarrer*innen werden keine kleinen Seelsorgebezirke mehr betreuen, sondern sind z.B. für die ganze Kirchengemeinde Seesen von Badenhausen bis Werder verantwortlich. Dabei wird natürlich darauf zu achten sein, dass wir „Kirche in Stadt und Land“ sind. Priorität wird dabei auf Gottesdienste jeglicher Art, Lehre und Seelsorge gelegt. Da werden Pfarrer*innen ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt: wer gut Jugendarbeit macht, sollte seinen/ihren Schwerpunkt hier haben; wer im Bereich der Seelsorge ihre Fähigkeiten hat, sollte in diesem Bereich arbeiten u.s.w.
Ob dieses Konzept, ob diese Strukturreform nun die Lösung aller unserer Probleme ist? Das wird sicher nicht so sein. Die Hände in den Schoß legen und sagen: Ich will aber in meiner Gemeinde wieder einen Pfarrer wie früher“ ist definitiv keine Lösung. Wir müssen lernen, dass Kirche weitaus mehr ist, als der Kirchturm in meiner Stadt oder meinem Dorf. Wir sind viele Dörfer und Städte … nebenbei auch viele Landeskirchen und sonstige Kirchen. Wir Braunschweiger haben allein in Tschechien, im indischen Bundestaat Tamil Nadu, in Blackburn und in Japan Partnerkirchen. Und auch mit denen gehören wir zusammen.
Deshalb: Lasst uns anfangen in dem Wissen: Den Stein der Weisen haben wir nicht gefunden! Sicher werden wir nach einiger Zeit an den Reformen wieder etwas reformieren müssen. Und: „Ecclesia semper reformanda est!“ – „Die Kirche muss beständig reformiert werden!“

Tim-Florian Meyer, Pfarrer

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